WSP . SLZ - Steuerberater . Wirtschaftsprüfer . Rechtsanwälte

Unternehmensnachfolge
Die Nachfolge unternehmen

Christian Lentföhr, Rechtsanwalt

Jedes fünfte Familienunternehmen ist davon betroffen, wenn in den nächsten Jahren rund 300.000 kleine und mittelständische Unternehmen einen Nachfolger suchen. Scheitert eine Nachfolge, so ist mindestens jeder siebte Arbeitsplatz gefährdet.
 
Nach ihrem 60.sten Lebensjahr stellt sich heute für 11 % der deutschen Unternehmer die Aufgabe, ihr Unternehmen geordnet an einen Nachfolger zu übertragen. Dabei ist das fehlende Wissen um die erforderlichen Maßnahmen oft die zweite unüberwindliche Hemmschwelle. Ausgangspunkt für die dargestellte Abwicklung ist die grundsätzliche unternehmerische Entscheidung des Unternehmensinhabers zum Verkauf sowie die Entschlossenheit des Erwerbswilligen, ein bestimmtes Unternehmen erwerben zu wollen.
 
Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger beginnt am besten bei den eigenen Mitarbeitern und erstreckt sich von Gesprächen mit dem Rechtsberater bis zu den Beteiligungsbörsen der IHKs. Der Berater kann auch bei einer Direktansprache von Konkurrenten ohne Namensnennung behilflich sein. Konkurrenten sind an einer Übernahme häufig interessiert, um eine stärkere Marktstellung zu erhalten.
 
Ist ein geeigneter Interessent gefunden, beginnen die Probleme:

Eine Betriebsveräußerung eines Unternehmens kann zivilrechtlich auf drei Arten erfolgen:

Die Punkte 1) und 2) unterscheiden sich durch die zivilrechtlichen Folgen für den Käufer.
 
Erwirbt der Käufer die Geschäftsanteile der GmbH, so besteht die GmbH als eigene Rechtsperson im Wirtschaftsleben ohne Veränderung fort. Der Käufer geht das Risiko ein, dass die GmbH für zuvor nicht erkannte Schulden oder Gewährleistungsrisiken haftet und schlimmstenfalls in die Insolvenz geht. Diesem Risiko wird bei der Vertragsgestaltung durch im einzelnen festzulegende Zusicherungen des Verkäufers begegnet. Dabei riskiert der Verkäufer für Ansprüche gegen die GmbH mit seinem Privatvermögen zu haften, vor denen er bislang durch den GmbH-Mantel geschützt war. Dementsprechend ist die Haftung des Verkäufers wiederum zu begrenzen.
 
Häufig erwirbt der Käufer lediglich das Anlagevermögen, den „good will" und/oder auch die Forderungen der GmbH. Als „good will" werden der Firmenname sowie die Kundenbeziehungen bezeichnet. Der Käufer will damit dem oben bezeichneten Risiko entgehen, für Forderungen gegen die alte GmbH indirekt aufzukommen. Zum Schutz der Gläubiger der alten GmbH ist dies jedoch nur eingeschränkt möglich. Der Verkäufer wird dann den alten GmbH-Mantel liquidieren und nachdem alle Verbindlichkeiten beglichen sind, die alte GmbH aus dem Handelsregister löschen. Bei dieser Gestaltung ist ein Widerspruchsrecht der Arbeitnehmer gegen den Betriebsübergang zu beachten.
 
Schließlich kann die alte GmbH ihren Geschäftsbetrieb im Ganzen oder teilweise an einen Dritten verpachten, anstelle ihn wie unter 2) zu verkaufen. Nach Ablauf der Pachtzeit fällt der Geschäftsbetrieb an die alte GmbH zurück und kann von ihr fortgeführt werden. Aus anderen als steuerrechtlichen Erwägungen wird diese Gestaltung nur selten zu wählen sein, etwa wenn ein Generationenwechsel in der alten Unternehmerfamilie erst später erfolgen kann und auch der Betriebsübernehmer nur auf absehbare Zeit tätig sein will.
 
Steuerrechtlich liegt es im Interesse des abgebenden Unternehmers, eine Betriebsaufgabe herbeizuführen und den Veräußerungserlös steuerbegünstigt zu erhalten. Die Betriebsaufgabe meint die endgültige Aufgabe des Unternehmens (Liquidation) innerhalb eines kurzen, d.h. zeitlich und wirtschaftlich zusammenhängenden Zeitraumes. Der Veräußerungsgewinn von Umlaufvermögen sowie aus der Leistungserbringung im normalen Geschäftsgang während der Liquidationsphase ist kein Veräußerungserlös und somit als laufender Gewinn nicht steuerbegünstigt. Vereinfacht besteht der Veräußerungsgewinn in den aufzudeckenden stillen Reserven im Anlagevermögen sowie im "good will". Dieser Wert des "good wills" ist die Differenz zwischen Kapital = Vermögen minus Verbindlichkeiten zum tatsächlich gezahlten Kaufpreis.
 
Eine Steuerbegünstigung erfolgt durch einen niedrigeren Steuersatz sowie durch einen unter bestimmten Umständen einmal zu gewährenden Freibetrag .
 
Eine Betriebsaufgabe liegt für den Unternehmer im engeren Sinne bei der Variante 1) vor; eine Betriebsaufgabe erfolgt aber auch bei der Variante 2) wenn die alte GmbH nach Veräußerung ihrer wesentlichen Betriebsgrundlagen jeglichen Geschäftsbetrieb einstellt. Verwertet die GmbH hingegen über einen längeren Zeitraum noch bestehende Forderungen, etwa weil diese aus Gründen der Kaufpreisfinanzierung nicht abgetreten wurden, stellt sie ihren Geschäftsbetrieb nicht ein; mit der Folge, dass auch der Veräußerungserlös des Anlagevermögens als laufender Gewinn nicht steuerbegünstigt ist. Bei der Variante 3) besteht steuerrechtlich ein Wahlrecht, ob der Unternehmer einen Gewerbebetrieb fortführen will oder unter Aufdeckung stiller Reserven in das Privatvermögen übernimmt.
 
Wie das Unternehmen optimal übertragen wird, ist im Wechselspiel der zivilrechtlichen Schutzinteressen des Käufers und der steuerrechtlichen Folgen für den Verkäufer zu entscheiden. Wird eine Seite überbetont, führt dies schnell zum Scheitern der Verhandlungen.
 
Ebenfalls problematisch ist regelmäßig die Findung und Sicherung des Kaufpreises, die sich häufig ebenfalls wechselseitig bedingen. Der Käufer wird regelmäßig einen niedrigen Kaufpreis langfristig zahlen wollen, um diesen Preis aus dem Unternehmen heraus aufbringen zu können. Das Interesse des Verkäufers ist hingegen, den möglichst hohen Preis umgehend zu erhalten, da er nicht weis, wie der Nachfolger das künftige Schicksal des Unternehmens gestaltet. Diese Verhandlung verlangt schlichtes Fingerspitzengefühl juristische und Kenntnis möglicher nachträglicher Minderungen, soll darüber die Nachfolge nicht scheitern.
 
Der Kaufpreis bemisst sich am Wert des Unternehmens. Stark vereinfacht ist der Wert des Unternehmens das, was in den folgenden Jahren erzielt werden kann; also Jahresumsatz multipliziert mit der voraussichtlichen Treuedauer der übertragenden Kunden (good will). Die Berücksichtigung der Kosten bringt dabei die ersten Probleme. Die Betriebswirtschaftslehre hat deshalb mehrere Berechnungsmethoden über Ertrag und Substanz entwickelt, die darüber hinaus den Wert der Unternehmenssubstanz wie Anlagevermögen und Forderungsbestand in unterschiedliche Relation zum "good will" setzen. Zum Beispiel steckt der Wert eines Beraters in seinem Kopf, hingegen der Wert eines Produktionsunternehmens zum Großteil in seinen Maschinen. Ein vernünftiger Preisverhandlungsspielraum wird erzielt, wird nach mehreren Methoden bewertet.
 
Werden Anlagevermögen und Forderungen übertragen, müssen diese zutreffend bewertet werden. Die Höhe der stillen Reserven im Anlagevermögen ist ebenso auszuhandeln wie festzustellen ist, welche Forderungen uneinbringbar und deshalb wertlos sind. Soll diese Bewertung nicht durch einen neutralen Wirtschaftsprüfer erfolgen, stellt sich stets die Frage der nachvertraglichen Kaufpreisanpassung, denn der Verkäufer hat einen Kenntnisvorsprung bis zur Übergabe vor dem Käufer. Prüft der Steuerberater des Käufers später die Bilanz, musste der Rechtsanwalt zuvor klären, unter welchen Bedingungen eine Anpassung später noch möglich ist.
 
"Auch was Geschriebenes forderst du, Pedant – hast noch nicht Mann noch Mannes Wort gekannt", sprach Goethes Mephisto.
 

Top